Wie schreibe ich eine gute Hausarbeit?

Wie schreibe ich eine (gute) Hausarbeit?

Strukturieren und schreiben von wissenschaftlichen Textarbeiten an der Uni

Das Verfassen von wissenschaftlichen Texten in Form von Haus- oder Semesterarbeiten gehört zu den wohl größten Herausforderungen, denen sich junge Studenten an Universität und Fachhochschule ab dem ersten Semester stellen müssen. Denn das wissenschaftliche Schreiben folgt genauen Regeln und Prinzipien – ein Umstand, den gerade Erstsemester nach geschlagenen zwölf (oder mehr) Jahren Deutschunterricht allzu häufig unterschätzen. 

Auf was es beim Verfassen wissenschaftlicher Texte von der ersten Haus- oder Semesterarbeit bis hin zum Studienabschluss und der zugehörigen Bachelor- oder Masterthesis ankommt, haben wir deshalb in einer ersten, knappen Übersicht zusammengefasst.

Planung ist die halbe Miete: Das Textkonzept

Eine klare Strategie hilft, eine Aufgabe effizient zu bewältigen. Das gilt nicht nur an der Uni, sondern in fast allen Lebenslagen. So macht es auch beim Schreiben von Haus- und Semesterarbeiten Sinn, sich zunächst ein paar Gedanken zu machen über das, was man zu Papier bringen möchte, statt einfach wild draufloszuschreiben. Das kann zwar auch funktionieren – tut es aber meist nicht.

Forschungsfrage formulieren

Im Regelfall wird die Forschungsfrage gerade zu Anfang des Hochschulstudiums vom zuständigen Betreuer vorgegeben. Ist das nicht der Fall, bekommt man womöglich nur eine (mehr oder weniger) spezifische Themenvorgabe. Dann gilt es, selbst eine entsprechende Forschungsfrage zu formulieren, die das Ziel der zu schreibenden Arbeit klar definiert.

Gute Forschungsfragen haben folgende Kriterien: Ein der Leserschaft intellektuell angemessenes Niveau, sie sind interessant, aktuell, relevant und knüpfen im Optimalfall an eine bestehende wissenschaftliche Debatte an. Zudem sollte eine Forschungsfrage klar und verständlich formuliert sein – und sich auch tatsächlich erforschen lassen. Entspricht sie allen genannten Voraussetzungen, dient die Forschungsfrage dem eigenen wissenschaftlichen Arbeiten als perfekter roter Faden und bewahrt davor, im Forschungs- und Schreibprozess vom eigentlichen Thema abzukommen.

Kleiner Tipp: Habt ihr die Forschungsfrage erst einmal ausformuliert, solltet ihr sie in großen Buschstaben ausdrucken und euch über den Arbeitsplatz hängen. So habt ihr das Ziel immer im Blick und könnt euch nicht verzetteln.

Gedanken ordnen

Mit dem angestrebten Erkenntnisgewinn vor Augen, kann es mit dem eigentlichen "Forschen" losgehen. Dazu gilt es, entsprechende Primär- und Sekundärquellen auszuwerten, Interviews und Versuchsreihen durchzuführen und das Beobachtete schließlich zusammenzufassen, einzuordnen und zu bewerten. In dieser Phase können bzw. sollten erste Textfragmente entstehen. Dabei ist es übrigens keine Schande, zunächst vielversprechende Argumente oder Aspekte wieder zu verwerfen, sollten sich diese als "Sackgassen" für das angestrebte Forschungsziel entpuppen. "Trial & Error" gehört beim wissenschaftlichen Arbeiten einfach dazu.

Grobkonzept erstellen

Mit fortschreitender Forschungs- und Recherchearbeit gewinnt auch das eigene Forschungsinteresse für gewöhnlich immer weiter an Kontur. Die Folge: Noch während der Sichtungs- und Bewertungsphase zeichnet sich eine immer klarere Argumentationskette ab. Diese nimmt die spätere Struktur der zu erstellenden Arbeit vorweg. Das Grobkonzept entsteht also quasi wie von selbst – und muss im folgenden Schreibprozess nur noch ausgebaut und verfeinert werden.

Wissenschaftlich schreiben: Der Textaufbau

Der Aufbau einer wissenschaftlichen Haus- oder Semesterarbeit im Kleinen – und einer Bachelor- oder Masterarbeit im Großen – folgt genauen stilistischen und strukturellen Vorgaben. Wer sich an das folgende Grundgerüst hält, macht zumindest formell-strukturell schon einmal alles richtig.

1. Thema und Titel

"Knackige" Titel sind wichtig – sowohl für die wissenschaftliche Arbeit als Ganzes, als auch für einzelne Kapitel, Absätze und Aspekte. Denn sie machen Lust auf mehr, regen zum Weiterlesen an und erleichtern dem Leser die Orientierung. Dabei empfehlen sich vor allem sogenannte „sprechende“ Titelformulierungen, die eine Frage oder Antwort beinhalten. Doch Vorsicht: Reißerisches, (zu) Provokantes oder Flapsiges hat in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts zu suchen!

2. Abstract

Noch nicht überall im deutschsprachigen Raum obligatorisch, bietet ein Abstract dem Leser einen ersten, kurzen Überblick über das, was ihn (oder sie) bei der Lektüre des Textes erwartet. Hier gibt der Autor an, was er (oder sie) als Wesentlich erachtet: Schlüsselthemen, die Forschungsfrage, wichtige Kernthesen oder das Ergebnis der vorliegenden Arbeit können so vorweggenommen werden. Abstracts sind dabei selten länger als drei bis fünf Sätze.

3. Inhaltsverzeichnis

Als untrüglicher Indikator für die strukturelle Güte einer Haus-, Semester- oder Abschlussarbeit folgt das Inhaltsverzeichnis. Bei besonders umfangreichen Werken auch einmal aufgeteilt in Grobgliederung (erste und zweite Ebene) und Feingliederung (alle Ebenen), erlaubt es dem Leser nicht nur, sich thematisch zu orientieren, sondern auch einzelne Abschnitte "herauszupicken", die ihm (oder ihr) besonders interessant erscheinen. Kleiner Tipp: Die gängigen Textverarbeitungsprogramme bieten heute alle die Möglichkeit, das Inhaltsverzeichnis automatisch zu erstellen – vorausgesetzt, man nutzt schon beim Schreiben der Arbeit die entsprechenden Titel- und Überschriftformat-Funktionen.

Mehr dazu hier: Inhaltsverzeichnisse erstellen in Word und OpenOffice!

4. Einleitung

Die Einleitung bildet nicht nur den formalen, sondern auch den inhaltlichen Einstieg in einen wissenschaftlichen Text. Daher sollten die wichtigsten Fragen der geneigten Leserschaft auch gleich hier beantwortet werden:

  • Um was geht es?
  • Warum sollte ich den Text lesen?
  • Was ist mein erwarteter Erkenntnisgewinn?

Besondere Bedeutung kommt dabei schon dem ersten Satz zu. Denn trifft man gleich zu Beginn den "Nerv" der anvisierten Leserschaft – etwa mit einem aktuellen, kontroversen oder überraschenden Aufhänger – sind einem die Aufmerksamkeit und das Interesse des Zielpublikums (fast schon) sicher. Eine Einleitung sollte zwischen fünf und zehn Prozent des zu erstellenden Textumfangs ausmachen – aber bitte nicht mehr!

5. Hauptteil

Ist der Einstieg ins Thema geschafft, geht es im folgenden Hauptteil der schriftlichen Arbeit zunächst darum, die eigenen wissenschaftlichen Bemühungen im Stand der aktuellen Forschung zu verorten. Nur so lässt sich sicherstellen, dass sowohl Autor als auch Leser von den gleichen Grundvoraussetzungen, Prämissen und Gegebenheiten ausgehen. Eine Grundvoraussetzung, damit alle die vorliegende Forschungsarbeit im gleichen Wertesystem bzw. wissenschaftlichen Weltbild betrachten. Sind die zugrundeliegenden Theorien, Konzepte, Ansätze und Werke der Fachliteratur besprochen, sollten das eigene Vorgehen und die angewandten Arbeitsmethoden – sowie eine Begründung dieser – vorgestellt werden. Erst dann folgt die Darstellung der eigentlichen Forschungsarbeit. Hierfür bieten sich drei verschiedene Ordnungs- und Argumentationsprinzipien an:

  • Informationsorientiert: Eignet sich am besten für die einfache Wissensvermittlung und reiht die verschiedenen Informationen, Argumente und Aspekte linear aneinander. (Ziel > Aspekte > Ergebnisse)
  • Empfehlungsorientiert: Beginnt, wie der Name schon sagt, mit einer Vorwegnahme der Ergebnisse und geht erst danach in die thematische Detailtiefe. (Empfehlung/Ergebnisse > Informationen/Aspekte > Empfehlung)
  • Ergebnisorientiert: Eine Mischung aus beiden Formen, bei der zunächst die Ziele, dann die einzelnen Themenaspekte und Teilergebnisse und zu guter Letzt das Gesamtergebnis dargestellt werden.

Argumentiert werden sollte dabei immer nach dem bewährten Schema:

These + Begründung/Beweis – Einschränkung = gutes Argument

6. Schluss bzw. Zusammenfassung

Den formalen Abschluss der Betrachtungen sollte eine Zusammenfassung der vorliegenden Forschungsarbeit bilden. Dabei geht es vor allem darum, die wichtigsten Leitfragen noch einmal in Zusammenhang mit den stärksten Argumenten und den gezogenen Schlussfolgerungen zu setzen, um gegebenenfalls eine entsprechende Handlungsempfehlung auszusprechen. Auch offengebliebene Fragen oder weiterführende, den wissenschaftlichen Diskurs anregende Thesen finden im Optimalfall hier ihren Platz.

7. Quellen-/Literaturverzeichnis und Anhang

Es folgt schließlich ein umfangreicher Quellen- und Verzeichnisteil. Dieser umfasst mehrere Unterverzeichnisse und einen gegebenenfalls angeschlossenen Anhang, der zusätzliche Materialen wie z.B. Interviewbögen, Transkripte, Statistiken etc. enthält. Das Quellenverzeichnis an sich gliedert sich häufig in folgende Teile:

  • Abkürzungsverzeichnis
  • Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
  • Literaturverzeichnis
  • Materialverzeichnis

Hinweis: Welche stilistischen Besonderheiten und Hürden es beim Verfassen von wissenschaftlichen Abhandlungen gibt, wie man richtig zitiert und welche Stolperfallen und Vorschriften Studenten sonst noch beim Schreiben ihrer Haus- und Semesterarbeiten beachten sollten, klären wir schon bald in einem eigenen Ratgeberbeitrag.


Für mehr Informationen und tiefere Einblicke ins Thema "Wissenschaftliches Schreiben von Haus-, Semester- und Bachelorarbeiten an der Uni" empfehlen wir euch einen Blick in eines der diversen Fachbücher zu diesem Themenkomplex.

Hier geht es zu einer kleinen Auswahl von Pearson Studium: Übersicht aktueller Lern- und Studierratgeber